Entwicklung der Goldgelben Vergilbung und ihres Überträgerinsekts 2011 im Schweizer Rebbau

Das Labor für Bakteriologie und Phytoplasmologie von Agroscope hat bestätigen können, dass 2011 die Goldgelbe Vergilbung im Tessiner Rebbau vorgekommen ist. Überträger dieses Phytoplasma ist die Grüne Rebzikade. Die Reben-Krankheit tritt in der übrigen Schweiz nicht auf, die Grüne Rebzikade kommt jedoch in drei Kantonen am Genfersee vor. Im Vergleich zum Jahr 2010, in welchem eine deutlichen Zunahme befallener Rebstöcke verzeichnet wurde, hat der Krankheitsdruck 2011 abgenommen – obwohl ein neuer Bezirk davon betroffen ist.

Die Goldgelbe Vergilbung (GGV) ist eine gefürchtete Quarantänekrankheit. Ihr Überträger, das Insekt Scaphoideus titanus Boll., ist eine Zikade, die nur auf der Rebe lebt. Sie überträgt das Phytoplasma schnell von einem Rebstock zum anderen. Aufgrund ihrer Reglementierung wird die GGV vor Ort bekämpft, insbesondere durch Einführung neuer, durch Thermotherapie behandelter Rebsetzlinge, durch eine spezifische Insektizidbehandlung gegen die Grüne Rebzikade und ausserdem durch Entfernung und Verbrennung der befallenen Reben.

Die GGV trat in der Schweiz zum ersten Mal im Jahr 2004 in Pedrinate im Kanton Tessin auf. Der ursprüngliche Herd führte von einem Jahr zum andern zum Verlust mehrerer Tausend Rebstöcke, welche ausgerissen und verbrannt werden mussten. Seither hat sich die Krankheit Richtung Norden auf insgesamt vier Bezirke ausgebreitet, nämlich das Mendrisiotto, das Luganese, das Locarnese und das Bellinzonese.

2011 beruhigte sich die Situation etwas. Im Gegensatz zum Jahr 2004 (explosionsartige Ausbreitung) und 2010 (erneute positive Fälle) wurden 2011 keine grösseren Herde verzeichnet. Von rund 400 im Labor für Bakteriologie und Phytoplasmologie von Agroscope behandelten Proben sind 44 % von der GGV befallen. Trotz der äusserst effizienten Insektizidbehandlung (Buprofezin) stellt man fest, dass nunmehr ein fünfter Bezirk betroffen ist, der in der Gemeinde Cresicano gelegene Bezirk Riviera (7 befallene Rebstöcke bei Gamaret und Chardonnay). Zurzeit laufen Studien zur Prüfung neuer Ansteckungswege: Existenz von andern Überträgern und/oder die Präsenz von Sekundärwirten, in denen das Phytoplasma der GGV überleben kann.

Die am stärksten von der Krankheit betroffenen sowie die anfälligsten Rebsorten bleiben Chardonnay und Gamaret. Merlot, die häufigste Rebsorte im Tessin, weist im Jahr 2011 atypische Symptome auf. Im Jahr 2011 wurden im Genferseegebiet 70 Parzellen kontrolliert (VD: 40; GE: 1; VS: 29). Die Fänge bestätigen das Vorkommen von S. titanus in Rebbergen der Regionen Genf, La Côte, Lavaux und Chablais. Die Reben-Krankheit selber tritt aber hier nicht auf. Jenseits von Vionnaz (VS) hat man gar keine Grünen Rebzikaden gefangen.

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