BHG – GastroFrühling 2014 auf der Theresienwiese

Grundsatzrede von Ulrich N. Brandl, Präsident der BHG DEHOGA Bayern e.V., auf dem GastroFrühling 2014, im Hippodrom, auf dem Frühlingsfest in München auf der Theresienwiese.

BHG DEHOGA Bayern GastroFrühling 2014, im Hippodrom, auf der Theresienwiese

BHG DEHOGA Bayern GastroFrühling 2014, im Hippodrom, auf der Theresienwiese

Das Größte Branchentreffen des Gastgewerbes in Bayern. In München trafen sich über 2.200 Hoteliers und Gastronomen aus ganz Bayern im Hippodrom.

Es ist schon Bayerische Tradition, dass sich einmal im Jahr Hoteliers und Gastronomen aus ganz Bayern beim GastroFrühling auf dem Münchner Frühlingsfest im Hippodrom treffen. Zum letzten Mal im Hippodrom, denn kommendes Jahr wird es dieses nicht mehr geben.

Der neue Pächter Siegfried Able plant ein neues Zelt, dieses wird der „Marstall“ nennen.

 

In seiner Grundsatzrede hat BHG- DEHOGA Präsident Ulrich Brandl einmal mehr die aktuellen Branchenthemen aufgegriffen. Zentrale Themen sind nach wie vor Fachkräftesicherung, GEMA, Hygiene-Barometer, Lärmemissionen, Umsatzsteuer Gastronomie und Hotellerie und die Regionalität der bayerischen Landschaft und Wirtshäuser.

BHG DEHOGA Bayern Präsident Brandl, GastroFrühling 2014

BHG DEHOGA Bayern Präsident Brandl, GastroFrühling 2014

Mit deutlicher Aussage zum Standort Bayern zu regionalen Wirtshäusern und einer Beibehaltung der reduzierten Umsatzsteuer für die Hotellerie und Abschaffung der Wettbewerbsverzerrung für die Gastronomie und Wirtshäuser hat Präsident Brandl einmal mehr den Nerv der Gastronomen getroffen.

Um Gastgeber in Bayern sein zu können müssen die Sorgen der Gestronmomen realistisch eingeschätzt werden, damit ihre Bedeutung in einer modernen Gesellschaft stand halten können.

 

 

 

Die Grundsatzrede von Ulrich N. Brandl, Prädident der BGH- DEHOGA Bayern:

Gastgeber in Bayern / Deutschland: Sorgen, Darstellung,
Wirklichkeit und Bedeutung in einer modernen Gesellschaft

Bereits zum vierten Mal wird mir die Ehre zuteil den Blick von dieser Bühne genießen zu dürfen. Vor einer so überwältigenden Zahl leidenschaftlicher Kollegen und Mitarbeiter aus ganz Bayern sprechen zu dürfen, ist mir eine große Ehre. Neben Ihnen/Euch möchte ich aber auch unsere Gäste auf das herzlichste unter uns begrüßen. Allen voran unsere beiden Ehrenpräsidenten Wiggerl Hagn und Sigi Gallus, alle weiteren en bloc, aber nicht weniger herzlich: Alle anwesenden Abgeordneten des Europäischen Parlaments, des Deutschen Bundestags, des Bayerischen Landtags, alle Mitglieder des Münchner Stadtrats sowie alle anwesenden Präsidenten und Vertreter befreundeter Verbände und Organisationen, die heute sehr zahlreich erschienen sind, allen voran den Präsidenten unseres
Bundeverbandes, Ernst Fischer, auf das herzlichste zu begrüßen.

Des Weiteren gestatten Sie mir eine Dame aus unserem Großen Vorstand
besonders herauszuheben: Unsere Bezirksvorsitzende aus Oberfranken, Andrea Luger, die ich heute aufgrund Ihres großartigen Engagements für das bayerische Gastgewerbe mit unserer Verdienstmedaille mit Ehrennadel in Gold auszeichnen darf.

BHG Ehrennadel in Gold des bayerische Gastgewerbe Andrea Luger

BHG Ehrennadel in Gold des bayerische Gastgewerbe Andrea Luger

Hier und heute bereits zum vierten Mal zu Ihnen sprechen zu dürfen, bedeutet für mich aber auch Anspruch und Verpflichtung. Zum Anspruch gehört unter anderem jedes Jahr wieder der Bezeichnung „Grundsatzrede“ gerecht zu werden und dem Vertrauen, das Sie/Ihr mit Ihrem Besuch zeigt, zu rechtfertigen.

Ich betrachte es als Präsident des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA Bayern als meine Aufgabe das in Worte zu fassen, was uns bei der täglichen Arbeit bewegt und sehr oft leider auch behindert. Ich möchte aber auch zum Nachdenken anregen und Perspektiven für eine – wenn nicht die schönste Branche der Welt – aufzeigen. Beginnen möchte ich mit den Themen, die uns schon länger und neu auf den Nägeln brennen.

Ausbildung

Mit knapp 12.000 Auszubildenden und über 2000 Schülern und Studiereden in gastgewerblichen Schul- und Studiengängen bei nunmehr 354.000 Beschäftigten, was eine Steigerung von zwölf Prozent bedeutet, müssen wir uns bestimmt nicht verstecken. Als Verband begleiten wir unsere Mitglieder bei einer wertschätzenden Ausbildung junger Nachwuchskräfte und geben zusammen mit den IHK´s in Bayern.

BHG Bayern Einzug der Fahnen 2014

BHG Bayern Einzug der Fahnen 2014

Hilfestellung wo wir nur können. Das duale Ausbildungssystem generiert gerade in unserer Branche seit Jahrzehnten Fachleute, die auf der ganzen Welt begehrt und geschätzt sind.

Zu Hause allerdings, da wo der Taler sprichwörtlich gemünzt wird, ist es mit der Wertschätzung gastgewerblicher Berufe oftmals leider nicht weit her. Bedienen, Service am Gast leisten muss gerade vor Hintergrund der Bedeutung von Dienstleistung heute in der Gesellschaft insgesamt und nicht zuletzt auch bei staatlichen Organen einen anderen Stellenwert erhalten. Auch Auszubildende in gastgewerblichen Berufen verdienen Respekt und Anerkennung für das was sie tun.
Wer meint etwas Besseres zu sein und das auch zeigen zu müssen, wird genau diesem Anspruch am allerwenigsten gerecht.

GEMA

Es bleibt dabei. Geistiges Eigentum muss geschützt und bezahlt werden wie andere Produkte auch. Wir haben auch kein Problem damit, dass Urheberrechte zentral vertreten werden. Monopolistische Strukturen allerdings wie sie der GEMA eigen sind, sind in diesem Bereich genauso abzulehnen wie in allen anderen Bereichen!
Und deshalb bleibt es, auch wenn wir das Schlimmste im vergangenen Jahr
abwenden konnten, bei zwei wesentlichen Kernforderungen:

1. muss das Urheberrechtswahrnehmungsgesetz dahingehend geändert
werden, dass sich Urheber und Nutzer gleichberechtigt gegenüberstehen und
2. muss die monopolistische Struktur der GEMA künftig auch durch das
Bundeskartellamt überwacht werden.

Nur dann kann ein vielfältiges Kulturprogramm auf Dauer erhalten werden und wird sichergestellt, dass die Einnahmen auch gerecht verteilt werden.

Hygiene-Barometer

Hygiene und Sauberkeit ist für unsere Branche eine zwingende Voraussetzung – keine Frage. Auch wenn es uns hier im vergangene Jahr mit der Abwehr des Hygiene-Barometers und der Aussetzung des Internetprangers gelungen ist das Schlimmste abzuwenden: Die Rufe vermeintlicher Verbraucherschützer und ideologischer Weltverbesserer verstummen nicht. Einem Kennzeichnungssystem, das am Ende wieder nichts anderem als einem modernen Pranger gleichkommt, erteilen wir egal in welcher Form eine klare Absage. Fakt ist und bleibt nämlich, dass

1. die bestehenden gesetzlichen Regelungen bis hin zur Schließung eines
Betriebes ausreichend sind und lediglich konsequent angewandt werden
müssen
2. eine Kennzeichnung und/oder Eintragung im Internet, weil kaum zu
löschen, schlimmer als jeder mittelalterliche Pranger ist
3. eine fälschlicherweise erfolgte Kennzeichnung katastrophale
wirtschaftliche Auswirkungen hat und der daraus resultierende
Schadenersatzanspruch kaum zu regeln ist
4. und die neueste Idee aus Brüssel Pflichtgebühren für Regelkontrollen
einzuführen einer schamlosen Abzocke gleichkommt. Hoheitliche
Staatsaufgaben wie Kontrollen dieser Art sind aus Steuereinnahmen zu
bezahlen und nicht durch zusätzliche Gebühren!

Gewerbliche Vermietung von Privatwohnraum

Ein guter Gastgeber zu sein und hohe Sicherheits- und Qualitätsstandards zu
erfüllen ist auch unser Anspruch als Hotelier. Für Verlässlichkeit und gleiche
Bedingungen zu sorgen die klare Aufgabe des Staates. Die Duldung der Vermietung von privatem Wohnraum für gewerbliche Übernachtungen widerspricht dem eindeutig. Fakt ist, dass

1. Auflagen, Sicherheits-, Hygiene- und Qualitätskriterien, die für
konzessionierte Betriebe gelten, hier systematisch umgangen werden
2. es höchst fraglich ist, ob Steuern aus den erzielten Einnahmen
ordnungsgemäß abgeführt werden
3. durch eine Vermietung privater Wohnungen Belästigungen für normale
Mieter entstehen können
4. gerade in Ballungszentren durch diese Zweckentfremdung wertvoller
Wohnraum verloren geht
5. und nicht zuletzt der Wettbewerb empfindlich verzerrt wird.
6. Wie beim Thema Schwarz- oder Graugastronomie heißt unsere
berechtigte Forderung auch hier – gleiche Regeln für das gleiche
Geschäft!

Landesentwicklungsprogramm und ländlicher Raum

Nichts spricht gegen einfache, schlanke Vorgaben seitens des Staates, solange das Wesentliche beinhaltet ist. Der Tourismus muss aber aufgrund seiner wirtschaftlichen Bedeutung Platz im Landesentwicklungsplan finden. Konkret muss die Möglichkeit geschaffen werden Leuchtturmprojekte auch in ländlichen Regionen zu erstellen. Und auch sonst müssen die Rahmenbedingungen bei der Raumnutzung gerade im ländlichen Raum die Belange des Tourismus berücksichtigen. Bei dem Bemühen den ländlichen Raum wieder attraktiver zu gestalten, kommt einem florierenden Tourismus mit seinen Arbeitsplätzen und seiner Wertschöpfung auch in den entlegensten Winkeln eine wesentliche Rolle zu.

Regionalität / regionale Produkte

Bayern ist aus vielfältigen Gründen auf der ganzen Welt so beliebt. Der hohe
Qualitätsstandard heimischer Nahrungsmittel ist sicher einer davon. Diese Vielfalt auf den Teller zu bringen, ist für unsere Branche Aufgabe und Chance zugleich. Mit Projekten wie der Ausgezeichneten Bayerische Küche oder Wirte kochen für Kinder wollen wir Impuls- und Ideengeber sein. Dazu beitragen, dass Ernährung auch bei Jugendlichen neben anonymen Fast-Food wieder vielfältiger wird. Aufzuzeigen, dass hochwertiges Essen auch einen angemessenen Preis haben muss, ist unsere Kompetenz und niemand kann dem besser ein Gesicht geben als der Wirt vor Ort.

Regionale Spezialitäten wie Bayerwald-Lamm, Oberpfälzer Karpfen, Nürnberger Rostbratwürstl, Schrobenhausener Spargel, Allgäuer Käsespezialitäten und nicht zuletzt fränkische Spitzenweine und bayerisches Bier bieten enorme Chancen bayerische Wirtshauskultur neu zu definieren und nicht zuletzt auch beste Voraussetzungen für gehobene bayerische Hauben- und Sterneküchen.

Effiziente Tourismusstruktur für Bayern

Auch wenn es uns zwischenzeitlich gelungen ist hier eine Debatte in Gang zu
setzen, komme ich mir hier zusammen mit den IHK`s manchmal vor wie Don
Quichotte in seinem Kampf gegen Windmühlen. Was aber wichtig und richtig ist, muss weiterverfolgt werden. Und auch wenn es dauert, lassen wir beim Kampf um die Entwicklung einer Idealstruktur nicht locker. Ziel ist Bayern als starke Marke im Wettbewerb der internationalen Tourismusdestinationen zu erhalten und weiter auszubauen. Deshalb tun wir gut daran ein Idealbild für die Struktur einer Topdestination zu entwickeln. Nicht als Vorgabe von oben, sondern als Hilfestellung und Leitfaden für alle, die ein echtes Interesse daran haben, dass Bayern an der Spitze bleibt. Aufgaben müssen in einem Workshop von Spezialisten aus allen relevanten Bereichen neu definiert und klar strukturiert werden mit dem Ziel, dass sie dort erledigt werden, wo sie die größte Wirkung erzeugen. Und das Wichtigste, es muss Vertrauen geschaffen werden! Vertrauen durch eine gerechte und nachvollziehbare Verteilung der Nachfrage auf Stadt und Land in allen Regionen Bayerns,
die mit ihrer vielfältigen Kulturlandschaft das Gesamtkunstwerk Bayern
prägen.

Erfolge des Verbandes – einer starken Gemeinschaft

Neben den bereits erwähnten Erfolgen haben wir aber auch noch einiges mehr erreicht…

Abwehr der Bettensteuer
Lockerung der „Stillen-Tage-Regelung“
Erhalt des reduzierten Umsatzsteuersatzes in der Hotellerie
Landauf/Landab spricht unser Verband wieder mit einer starken Stimme und
das müssen wir uns bewahren.
Durch Bündelung/Zusammenführung von Interessen und die
Zusammenarbeit mit anderen Verbänden haben wir unsere Schlagkraft
erhöhen können. Mit mittlerweile acht Verbänden gemeinsame Ziele
abgesteckt und regelmäßig überprüft wo weitere Zusammenarbeit möglich ist.
Im Einzelnen sind dies:
– der Bayerischen Campingverband, mit dessen Vorsitzenden Georg Spätling
– der Bayerischen Kur- und Heilbäder-Verband mit dessen Vorsitzendem
Klaus Holetschek
– der Fränkischen Weinbauverband mit dessen Präsidenten Artur Steinmann
– der Bund der Selbstständigen mit Präsident Ingolf Brauner
– der Bayerische Brauerbund vertreten durch Präsident Friedrich Düll
– der Verband der Privatbrauereien mit Präsident Gerhard Ilgenfritz
– der Bayerische Landesverband der Marktkaufleute und Schausteller mit
Ihrem Präsidenten Wenzel Bradac
– der Fleischerverband Bayern mit seinem Vorstand, Landesinnungsmeister
und Münchner Stadtrat Georg Schlagbauer

Eine hervorragende Zusammenarbeit pflegen wir aber auch mit den IHK`s und der vbw. Herzlichen Dank dafür an die Präsidenten der IHK`s und an
Präsident Alfred Gaffal, vbw.

Neue Herausforderungen / Themen

Völlig überzogene Vorschriften bei Brandschutz und Statik bei Modernisierung
und Neubau

Ich habe mein Leben lang gerne gebaut und habe gerade wieder eine große
Baustelle, aber es macht keinen Spaß mehr, ist nicht selten frustrierend und
geradezu demotivierend. Allerdings etwas gegen völlig überzogene Vorschriften in diesem Bereich zu sagen, muss man sich aber gut überlegen. Sofort wird man als jemand hingestellt, der Sicherheit nicht ernst nimmt und von Vertretern der Gewerbeaufsichtsämter nicht selten fast auf eine Stufe mit Verbrechern gestellt.
Persönliche Nachteile könnten sehr schnell die Folge sein, denn der Apparat könnte Kritik in diesem Bereich übel nehmen und mit noch mehr Kontrollen, die den Betrieb lahm legen und noch extremeren kostensteigernden Auflagen zurückschlagen. Nachdem ich aber weiß Gott nicht allein der Meinung und nicht wäre wer ich bin, wage ich es trotzdem das heute anzusprechen. Das was in diesen Bereichen zwischenzeitlich gefordert wird, läuft nämlich schon lange völlig aus dem Ruder. Das mag derzeit vermeintlich kein Problem sein, weil die Baubranche boomt. Was ist aber, wenn dies nicht mehr in dem Maße der Fall ist? Hier ist die Politik als Ganzes gefordert gegenzusteuern, denn einem einzelnen wird bei Kritik sofort das Totschlagargument entgegengehalten, ob er für Verletze oder gar Tote verantwortlich sein will. Die Art wie hier argumentiert und vorgegangen wird, ist meist
unsachlich und schlichtweg unverschämt.

Es kann nicht sein, dass in Deutschland die statische Bemessung von Bauteilen jedes Mal noch weiter erhöht wird, wenn in Bangladesch oder sonst einem Entwicklungsland auf der Welt ein Gebäude einstürzt. Ich bin jetzt 53 Jahre alt und kann mich Zeit meines Lebens nicht erinnern, dass in meinem Umfeld je ein Gebäude eingestürzt ist. Und dennoch verlangt die Statik heute beispielsweise in meinem neuen Saunabereich unter einer Galerie für maximal 15 Gäste eine stärkere Dimensionierung der tragenden Holzkonstruktion als sie unter der Hochtenne im Stadel unseres früheren Bauernhofes jemals verbaut waren über die jahrelang tonnenschwere Schlepper und Anhänger gefahren sind.

Wenn ein Kollege – und solche Fälle gibt es viele – sich entschließt 500.000 Euro in die Modernisierung und Attraktivitätssteigerung seines Hauses zu investieren, dann ist es in Ordnung, dass ein angemessener Teil auch in die Verbesserung der Sicherheit investiert wird. Wenn aber dann durch den Verlust des Bestandsschutzes 200.000 Euro von den geplanten 500.000 Euro für die Erfüllung von Brandschutzauflagen aufgebraucht werden müssten, diese dann zwangsläufig für qualitätssteigernde Maßnahmen nicht mehr zur Verfügung stehen und dieser Kollege dann die Modernisierung nicht vornimmt, ist niemandem geholfen und der volkswirtschaftliche Schaden definitiv größer als die vermeintlich verbesserte Sicherheit.

Auch darf man fragen, was eine zwischenzeitlich zusätzlich zur
Notausgangsbeleuchtung geforderte Sicherheitsbeleuchtung bringen soll, wenn man weiß, dass man im Brandfall wegen der starken Rauchentwicklung eh nichts mehr sieht. Interessant ist auch, dass in Gremien, in denen solche Vorgaben entwickelt werden, oft nur noch Theoretiker und Vertreter von Firmen sitzen, die die oftmals sehr speziellen Brandschutzprodukte entwickeln und natürlich verkaufen wollen.
Handwerker und selbst Feuerwehrvertreter scheinen da unerwünscht und stören nur. Wen wundert es da, dass es für bestimmte über Auflagen geforderte Produkte nur noch einen, maximal zwei Hersteller gibt und man gezwungen ist jeden Preis zu akzeptieren.

Ganz sicher ist Unfallschutz und Sicherheit wichtig. Und ganz sicher ist es gut ihn angemessen und moderat zu verbessern. Auf einer Baustelle darf aber nicht der gleiche Maßstab angelegt werden wie in fertigen Gebäuden. Zwingend erforderlich ist hier bei der Festsetzung von Richtlinien auch die betroffenen Handwerker zu Rate zu ziehen und wieder etwas mehr auf deren handwerkliches Können zu vertrauen.

Wenn wie selbstverständlich ohne jeden Zusammenhang der Umstand, dass ein Gewerkfremder unerlaubt aufs Dach steigt und im Montagebereich einer
Dachisolierung, wo sich Zimmerer mit traumwandlerischer Sicherheit bewegen, verunglückt und verletzt, als Begründung dafür herangezogen wird, im Keller ein fehlendes Geländer zu monieren, das wegen Montagearbeiten gerade entfernt werden musste, dann wird wirtschaftliches Arbeiten extrem erschwert und ist Maß und Ziel definitiv aus den Augen verloren. Wenn die Angst davor diese Fehlentwicklung anzuprangern dazu führt, dass sich entsprechende Kontrolleure aufführen wie die Axt im Walde, Handwerker und Bauherren per se behandeln als wären sie Verbrecher, dann hat das mit akzeptabler staatlicher Kontrolle nichts mehr zu tun. Wenn selbst den besten Unternehmern unserer Branche von eben solchen Kontrolleuren vorgehalten wird, man müsse deren Gäste vor ihrer Unvernunft beschützen. Dann stimmt einfach etwas ganz gewaltig nicht mehr. Und deshalb ist es dringend an der Zeit hier gegenzusteuern. Das Argument mit der vermeintlichen Sicherheit darf nicht dazu führen, dass die Vorschriften in diesem Bereich immer perverser werden.

Lärmemissionen

Ähnlich unrealistisch geht es in punkto Lärmemissionen zu. Konkret darf die TA Lärm nicht für Lärm gelten, der bei sozialer Kommunikation entsteht und damit in der bestehenden Form nicht auf die Gastronomie angewendet werden.

Liebe Verantwortliche in der bayerischen Politik. Wenn Ihnen bayerische Lebensart, Leben und leben lassen wirklich wichtig ist, dann hören Sie auf bei der Gesetzgebung auf Fachleute zu hören, die den Richtwert ab 22.00 Uhr auf 45 dB festlegen, wenn eine normale Unterhaltung bereits 60 dB verursacht.

Solch weltfremdem Wahnsinn muss Einhalt geboten werden. Wenn das so
weitergeht, stehe ich hier oben irgendwann in einer schalldichten Kabine und Sie sitzen mit Kopfhörern in Bänken und können sich mit ihrem Nachbarn nur noch per SMS unterhalten…

Mindestlohn

Und nicht zuletzt sei dann auch noch der Mindestlohn erwähnt. Alle durch unseren Verband vertretenen Unternehmer wünschen sich für Ihre Mitarbeiter ein ordentliches Auskommen und einen gerechten Lohn!

Ein gesetzlicher Mindestlohn ist aber definitiv der falsche Weg! Nicht nur, dass zu befürchten steht, dass es künftig in jedem Wahlkampf zu einer Überbietungsrallye kommt. Er berücksichtigt in keinster Weise betriebswirtschaftliche und tarifliche Gesetzmäßigkeiten sowie regionale Kaufkraftunterschiede. Wer einen gesetzlichen Mindestlohn fordert, müsste in logischer Konsequenz gleich auch noch einen betriebswirtschaftlich notwendigen Mindest-Verkaufspreis fordern oder…? Nein, das
natürlich nicht. Denn der wird gerade von denen, die am lautesten nach dem
Mindestlohn schreien, am allerwenigsten akzeptiert!

Verlust bayerischer Wirtshauskultur und damit bayerischer Identität

Die zunehmende Metropolisierung führt zu nachteiligem Strukturwandel und Verlust wichtiger Infrastruktureinrichtungen. Verheerend ist dieser Prozess für das Bild, die Attraktivität Bayerns in der Welt. Mit den Wirtshäusern stirbt auch ein wichtiger Teil bayerischer Identität und Lebensart. Eine Lebensart, die Bayern in der Welt berühmt und attraktiv gemacht hat.

Die Abwanderung und der damit einhergehende Kaufkraftverlust führen zwangsläufig zu einem seit Jahren anhaltenden Sterben von Dorfgaststätten und Wirtshäusern. Dies wiederum setzt unselige Kettenreaktion in Gang – erst stirbt das Wirtshaus und dann der Ort. Eine verfehlte Förderpolitik (Vereinsheime) und fehlende bzw. kaum mögliche Investitionen in die Attraktivität des Betriebes taten ein Übriges. Faire Wettbewerbsbedingungen, sprich ein reduzierter Umsatzsteuersatz auch in der Gastronomie würde hier entscheidende Impulse für eine Umkehr dieser Entwicklung leisten.

Den besten Beweis dafür hat die Entwicklung der Hotellerie seit der Einführung des reduzierten Satzes angetreten. Schwarz auf weiß und wissenschaftlich unterlegt beweisen dies die Ergebnisse aus dem aktuellen Betriebsvergleich des DWIF. O-Ton des verantwortlichen Projektleiters Dr. Maschke:

„Die Einführung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes, die den
Beherbergungsbetrieben zweifellos eine Steigerung der Ertrags- und
Innenfinanzierungskraft gebracht hat, wäre für Gastronomiebetriebe
zumindest genauso notwendig gewesen.“

Wer also echtes Interesse am Erhalt bayerischer Wirtshauskultur und Lebensart hat, der kann und darf sich einem erprobten Mittel zum Gegensteuern, das zwischenzeitlich belastbar bewiesen hat, dass es nicht weniger, sondern mehr Steuereinnahmen in die Kassen des Staates spült, nicht weiter verschließen – dem reduzierten Mehrwertsteuersatz auf alle Lebensmittel – egal wo gekauft, wie zubereitet und wo gegessen!

Blick auf das wahre Gesicht der Branche

Ich möchte heute neben allen berechtigten Forderungen an die Politik Ihr Augenmerk aber auch auf das Bild, die Rolle unserer Branche in der Gesellschaft lenken, wofür wir – davon bin ich überzeugt – in hohem Umfang auch selbst verantwortlich sind.

Ich erlaube mir das, weil wir ja quasi unter uns sind. Die wenigen Pressevertreter allgemeiner Zeitungen, Radio und Fernsehanstalten, die außer der Fachpresse heute unserer Einladung gefolgt sind, dürfen das gerne hören. Zumal sich leider einige darauf verstehen, das Gesagte so zu interpretieren, dass die persönlich gewünschte Botschaft vermittelt wird. Vielleicht salopp und pauschal dargestellt, aber dennoch eine Tatsache, die ich seit Jahren mit Sorge beobachte und bedauere.

Umso mehr schätze ich Journalisten und Redakteure, wie Sie, die Sie heute da sind, die beide Seiten und damit auch das Positive unserer Branche beleuchten und begrüße alle anwesenden Pressevertreter nochmal sehr herzlich.

Aber zurück zum Gesicht unserer Branche. Ich erlaube mir bei solch komischen Überlegungen gerne einen Blick auf andere, in diesem Fall andere Branchen zu richten. Wie die es machen, warum die eventuell mehr Erfolg haben, besser ankommen oder einfach nur besser im öffentlichen Licht erscheinen?

Beginnen möchte ich dabei mit dem meines Erachtens Wesentlichen – damit wie wir wahrgenommen werden. Halten wir uns doch einmal vor Augen wie es auf einen Unbeteiligten wirkt, wenn wir – vorwiegend klein- und mittelständisch – unter der Last von Doppel- und Mehrfachfunktionen jammern und uns ungerecht behandelt fühlen und „die Medien“ gleichzeitig von Steuergeschenken für reiche Hoteliers, satten Großgastronomen, ekelerregenden Zuständen in Küchen und unmenschlichen
Arbeitsbedingungen berichten.

Wir sind uns einig und es ist längst bewiesen, dass die Berichterstattung über unsere Branche höchst einseitig ist, aber auch das hat seinen Grund.

Gerechte Rahmenbedingungen für die eigene Branche einfordern tun alle, aber es kommt auf das wie an. Kein Mensch fühlt sich zu Jammerern hingezogen, geschweige denn findet diese attraktiv. Noch weniger wenn man aus der Presse weiß, dass es sich in Wirklichkeit um heimliche Millionäre und Ausbeuter handelt.
Also wie machen das andere, insbesondere Branchen die vorwiegend von größeren Betrieben und Konzernen geprägt sind?

Die stellen auch Forderungen – nüchtern, sachlich und im Hintergrund.
Vordergründig, in der Außendarstellung, kein Jammern, höchstens mahnende Worte und die dezent, aber wirkungsvoll vorgetragene Sorge um den Wirtschaftsstandort Deutschland. Ansonsten nur Nachrichten zu den tollen eigenen Produkten, zum großen, sozialen Engagement der eigenen Firma und dem tollen Beitrag des eigenen Unternehmens zum wirtschaftlichen Wohlergehen des Landes. Kritische Äußerungen oder Statements (Stichwort 3te Startbahn), die Kunden kosten könnten – Fehlanzeige!

Und was machen wir…? Statt konsequent und immer zuerst die Vorzüge einer der schönsten Branchen der Welt in den Vordergrund zu stellen, lassen wir uns nur allzu oft auf Jammerer, Steuergeschenkeempfänger und Ausbeuter reduzieren. Übrigens von einer Branche, für die bei den letzten Koalitionsverhandlungen der reduzierte Steuersatz nun auch für Hörbücher vereinbart wurde und die beim Thema Mindestlohn für die eigenen Zeitungszusteller allergrößte Not hat.

Lassen Sie uns als Verband, aber auch jeder Einzelne von uns doch in Zukunft vor allem über die schönen Seiten unserer Branche berichten:

Über wunderschöne Feste anlässlich Taufen, Kommunionen, Firmungen und Hochzeiten, über Geburtstags- und andere Familienfeiern oder einfach nur über ein schönes Essen mit Freunden. Freudige Ereignisse, an die man sich gern erinnert und für die wir den festlichen Rahmen bieten – als herzliche Gastgeber, Dienstleister aus Leidenschaft und wie unser Ministerpräsident letztes Jahr sagte als Botschafter bayerischer Lebensart.

Wenn wir im Dialog mit unseren Gästen – woher sollen die es sonst erfahren – in guter Atmosphäre vermitteln was für eine gelungene Feier, ein gutes Essen in angenehmen Ambiente im Hintergrund alles zu leisten ist, dann werden wir auch Verständnis ernten – nicht bei allen, aber ganz sicher bei den allermeisten.

Sicher müssen wir auch weiterhin unsere berechtigten Forderungen formulieren, um in Wirtschaft und Gesellschaft bestehen zu können. Nicht aber durch Jammern und Schimpfen, sondern mit guten Argumenten im sachlichen Dialog mit der Politik, anderen Wirtschaftsverbänden und gesellschaftlichen Organisationen. Nicht von heute auf Morgen, aber schlussendlich werden so – davon bin ich felsenfest überzeugt – unsere Argumente auch in der Berichterstattung eine andere, fairere
Würdigung erfahren.

Dank an Mitarbeiter, Partnern, Medien und Politik

Am Ende meiner Rede möchte ich es nicht versäumen mich im Namen des
Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes, aber auch persönlich wieder herzlich bedanken.

– bei den Mitarbeitern hier im Zelt und der Wirtsfamilie Krätz/Barsy für den
hervorragenden Service und das tolle Ambiente
– bei den Mitarbeitern unseres Verbandes, die diese Veranstaltung wieder in
vielen Extrastunden so toll vorbereitet, durchgeführt und begleitet haben
– bei unseren Partnern für die grandiose Unterstützung dieser
Veranstaltung und eine auch sonst sehr gute Zusammenarbeit
– bei unseren befreundeten Verbänden für Ihr Vertrauen und eine
Zusammenarbeit wie sie besser kaum sein könnte und wirklich
Freude macht
– bei der vbw für die aufmerksame Unterstützung und einen insgesamt sehr
guten Job
– bei den Kammern für eine immer besser werdende Interessensvertretung
auch unserer Branche und die wirklich gute Zusammenarbeit in
zwischenzeitlich mehreren Projekten
– bei den Banken, die sich wieder spürbar mehr bemühen auch uns wieder
ein guter Partner in Finanz- und Finanzierungsfragen zu sein
– bei den Medien, die uns fair begleiten und auch über das Positive unserer
Branche und seine Bedeutung für unsere Gesellschaft berichten
– bei allen Mitarbeitern in den Ministerien, die sich unserer Belange
annehmen und sich bemühen politische Vorgaben, Gesetze und Richtlinien
zum Wohle und nicht zum Nachteil unserer Branche umzusetzen.
– bei allen Politikern, die mit uns in den Dialog treten, Verständnis für unsere
Sorgen und Nöte zeigen und sich auch im Rahmen ihrer Möglichkeiten für
uns einsetzen.
– bei unserer Staatsregierung für eine wertschätzende Zusammenarbeit und
Ihren Einsatz für faire Wettbewerbsbedingungen.
– bei unserem Ministerpräsidenten dafür, dass er bei den zurückliegenden,
sicher nicht einfachen Koalitionsverhandlungen in punkto Erhalt des
reduzierten Umsatzsteuersatzes für die Hotellerie einmal mehr Wort
gehalten hat.

Und wenn Sie jetzt bei so viel freundlichen Worten und meinem Appell für eine Art Charmeoffensive befürchten, dass ich zu zahm werde, darf ich Sie beruhigen. Deutliche und auch einmal knackige Worte zu finden, gehört zu einer Veranstaltung dieser Art – und zu mir – wie das berühmte Salz in der Suppe. Und wenn Sie das wollen, werde ich unseren Gastrofrühling, den Ihr/Sie zu dem gemacht haben was er heute ist, auch weiterhin gerne und gut würzen Lassen wir uns nicht entmutigen. Wir haben – auch wenn es manchmal schwer fällt – einen guten Grund weiterhin unser Bestes zu geben. Wenn Sie die nun folgenden Bilder sehen – an denen ich mich persönlich nicht satt sehen kann – erkennen Sie ihn… Visitenkarte, Gastgeber und
Botschafter bayerischer Kultur und Lebensart sein zu dürfen für die vielen Menschen aus aller Welt, die gerne zu uns nach Bayern kommen, ist auch eine Ehre auf die wir mit Recht stolz sein dürfen und sollten. Und begleitet von diesen Bildern wünsche ich Ihnen jetzt noch einen wunderschönen Nachmittag und Abend hier im Hippodrom auf dem Frühlingsfest in unserer Landeshauptstadt München und bedanke mich einmal mehr dafür, dass Sie mir wieder so aufmerksam zugehört haben.

Herzlichen Dank!

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