Deutsch-indische Agrarmarktentwicklung

Bundesagrarministerin setzt sich in Indien für verbesserten Marktzugang heimischer Erzeuger ein

Deutsch-indische Regierungskonsultationen: Zusammentreffen mit Ministerkollegen – Kooperation im Bereich der Digitalisierung soll ausgebaute werden – Minister bringen Fachdialog zur Agrarmarktentwicklung auf den Weg

Im Rahmen der deutsch-indischen Regierungskonsultationen in Delhi hat die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, im Gespräch mit ihrem indischen Amtskollegen, Shri Nerendra Singh Tomar, für einen verbesserten Markzugang für deutsche Erzeuger von Geflügelfleisch und -erzeugnissen, Äpfeln sowie Getreide geworben: 

Fotoquelle: Auswärtiges Amt

„Als Bundesregierung ist es uns ein Anliegen, hierfür stabile rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen sowie bestehende Handelshemmnisse und unnötige Erschwernisse abzubauen. Gleichzeitig habe ich deutlich gemacht, dass indische Exportprodukte die europäischen Verbraucherschutzstandards erfüllen müssen. Das gilt insbesondere mit Blick auf Rückstandshöchstgehalte für Pflanzenschutzwirkstoffe – Übergangsfristen kann es nicht geben, wenn gesundheitliche Bedenken gegenüberstehen.“ 

Vereinbart im Gespräch wurde ein Experten- und Wissensaustausch der beiden Länder in den Bereichen Digitalisierung und künstlicher Intelligenz. Solche Anwendungen bieten in der Landwirtschaft neue Möglichkeiten, Erträge zu steigern, die natürlichen Ressourcen wie Boden und Wasser zu schonen sowie gleichzeitig Dünger, Pflanzenschutzmittel und Saatgut optimal einzusetzen und einzusparen. 

Dadurch können insbesondere die vielen kleinen Betriebe in Indien – 85 Prozent bewirtschaften weniger als zwei Hektar, nur fünf Prozent mehr als vier Hektar – in die Lage versetzt werden, ihre Produktivität nachhaltig zu steigern. Denn die durchschnittlichen Erträge pro Hektar liegen aktuell bei nur etwa 30 bis 50 Prozent des globalen Mittels. Sie sind damit oft nur ausreichend für die Selbstversorgung, es gibt keine direkte Anbindung an die Wertschöpfungsketten, zudem sind die Nachernteverluste sehr groß. Das führt dazu, dass die landwirtschaftlichen Einkommen im Vergleich zu anderen Sektoren in den vergangenen Jahren kaum gestiegen sind, 31 Prozent der Betriebe sind laut indischen Regierungsangaben verschuldet. Eine weitere Herausforderung: Auf einen landwirtschaftlichen Berater kommen etwa 1000 bäuerliche Betriebe. 

Julia Klöckner: „Im Sinne des Ziels der indischen Regierung, das Einkommen der Landwirte bis 2022 zu verdoppeln, ist der breite Zugang zu innovativen Anwendungen entscheidend. Diese können den Landwirten Informationen über Bodenbeschaffenheit, Wetter oder Schädlingsbekämpfung als Entscheidungshilfe an die Hand geben, sie beraten, wann der beste Zeitpunkt zur Aussaat oder Ernte ist. Insbesondere von digitalen Lösungen in Form von Apps profitieren ganz explizit die kleinen Betriebe – sie sind leicht zugänglich und können eine maßgebliche Hilfe sein, den Alltag der Bauern zu erleichtern. Von deutscher Seite besteht die Bereitschaft, dieses Engagement auszuweiten. Hilfreich – das habe ich betont – wäre eine zentrale Kontaktstelle für die Unternehmen, die an einer Zusammenarbeit mit indischen Landwirten und Genossenschaften interessiert sind.

Aber auch wir profitieren maßgeblich von der engen Kooperation mit Indien. Etwa durch den Austausch von Wissenschaftlern und Experten im Bereich der künstlichen Intelligenz. Möglichkeiten der konkreten Zusammenarbeit sehen wir insbesondere auch bei der Präzisionslandwirtschaft zur Steigerung der Produktivität und Nachhaltigkeit.“ 

Neuprojekt: Fachdialog zur Agrarmarktentwicklung 

Bei ihrem Zusammentreffen unterzeichneten die beiden Minister zudem eine Absichtserklärung für ein weiteres Kooperationsprojekt, einem Fachdialog zur Agrarmarktentwicklung. Hier soll unter anderem die Kühlkettentechnologie in den Blick genommen werden, um ein besseres Nacherntemanagement zu gewährleisten. Eine ausbaufähige Infrastruktur sowie lückenhafte Kühlketten führen derzeit zu Nachernteverlusten von bis zu 30 Prozent. 

Hinsichtlich der bestehenden Kooperation bei Lebensmittelsicherheit und gesundheitlichem Verbraucherschutz bot die Ministerin zudem eine verstärkte Zusammenarbeit an. Beispielsweise durch die Entsendung von Langzeitexperten an die staatlichen Lebensmittellabore oder der Durchführung von Workshops zu risikobasierten Betriebskontrollen. Auch könnten indische Einrichtungen am jährlichen ‚International Training for Safer Food‘ des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit und an der Summer Academy zu Lebensmittelsicherheit des Bundesinstituts für Risikoforschung teilnehmen. 

Zudem, so Julia Klöckner, sei die Aus- und Weiterbildung eine Grundvoraussetzung zur Modernisierung der Landwirtschaft. Nach einem Pilottraining zu Mechanisierung und Nacherntemanagement für indische Experten im vergangenen September sei mit einer Vereinbarung bereits im Vorfeld der Regierungskonsultationen die Grundlage für weitere an den indischen Interessen ausgerichteten Schulungen gelegt worden. Auch das 2013 begonnene Saatgutprojekt des Bundesministeriums wird bis 2022 fortgeführt und auf mehrere Bundesstaaten ausgeweitet. „Damit bieten wir Landwirten eine Zukunftsperspektive, steigern die agrarische Produktivität und die Einkommen der Landwirte, tragen bei zur Ressourcenschonung und halten so die ländlichen Räume attraktiv. Fast 70 Prozent der leben dort, die Hälfte der Bevölkerung arbeitet in der Landwirtschaft.“ 

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